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Das Gebet für die Verstorbenen in der katholischen Kirche

Katholiken beten für die Verstorbenen, weil sie an die Auferstehung und an die Gemeinschaft der Heiligen glauben. Wir erklären, woher diese Praxis kommt, welche Formen sie hat – von der heiligen Messe und dem „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“ bis zu Ablässen und Totengedenken – und wie man für einen bestimmten lieben Menschen betet.

Das Gebet für die Verstorbenen in der katholischen Kirche
Wilfredor · CC0 · Wikimedia Commons

Warum Katholiken für die Verstorbenen beten

Das älteste biblische Zeugnis des Gebets für die Verstorbenen ist der Bericht im Zweiten Buch der Makkabäer (2 Makk 12,38–46, besonders V. 43–46). Nach einer Schlacht entdeckte Judas der Makkabäer, dass die gefallenen Soldaten Gegenstände bei sich trugen, die den Götzen geweiht waren. Daraufhin veranstaltete er eine Sammlung und schickte sie nach Jerusalem, damit dort ein Sündopfer für die Gefallenen dargebracht werde. Der inspirierte Verfasser lobt diese Tat, weil Judas an die Auferstehung dachte – hätte er nicht geglaubt, dass die Toten auferstehen, wäre das Gebet für sie überflüssig gewesen. Die lateinische Überlieferung fasst diesen Abschnitt in dem Satz zusammen: Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten.

Die Kirche hat diese Praxis von Anfang an übernommen. Der Katechismus sagt, dass die pilgernde Kirche „seit den ersten Zeiten des Christentums“ das Andenken an die Verstorbenen mit großer Ehrfurcht gepflegt und für sie Fürbitten dargebracht hat, und dass unser Gebet für sie ihnen nicht nur helfen, sondern auch ihre Fürbitte für uns wirksam machen kann (KKK 958). Die Quelle dieser Gewissheit ist die Gemeinschaft der Heiligen: Die Gläubigen auf Erden, die Verstorbenen, die die Läuterung durchlaufen, und die Heiligen im Himmel bilden eine Kirche, einen Leib Christi. Die Liebe, die uns zu Lebzeiten mit unseren Angehörigen verbunden hat, endet nicht im Augenblick ihres Todes.

Das Gebet für die Verstorbenen hängt mit der Lehre von der Läuterung nach dem Tod zusammen. KKK 1032 verbindet es ausdrücklich mit 2 Makk 12,46 und fügt hinzu, dass die Kirche für die Verstorbenen vor allem das eucharistische Opfer empfiehlt, außerdem Almosen, Ablässe und Bußwerke. Was diese Läuterung ist, erklären wir im Beitrag Das Fegefeuer in der Lehre der Kirche.

Erlaubt die Bibel das Gebet für die Verstorbenen?

Diese Frage stellen oft Menschen, die der evangelischen Sicht auf dieses Thema begegnet sind. Die reformatorischen Kirchen erkennen das Zweite Buch der Makkabäer nicht als inspiriert an und lehnen daher auch das darauf gestützte Argument ab. Die katholische Kirche – ebenso wie die orthodoxen Kirchen – zählt dieses Buch zum Kanon der Heiligen Schrift (KKK 120). Darüber hinaus liest die Überlieferung im Licht der Läuterung nach dem Tod die Worte des heiligen Paulus, dass derjenige, dessen Werk verbrennt, „selbst gerettet werden“ wird, „doch so wie durch Feuer“ (1 Kor 3,15), sowie die Worte Jesu über die Sünde, die „weder in dieser noch in der künftigen Welt“ vergeben wird (Mt 12,32) – auf diese letzte Stelle beruft sich der Katechismus, indem er den heiligen Gregor den Großen zitiert (KKK 1031). Das stärkste Argument bleibt jedoch die ununterbrochene Praxis der Kirche: Das Gebet für die Verstorbenen ist seit den ersten Jahrhunderten in der Liturgie gegenwärtig.

Wie wir den Verstorbenen helfen können – Formen des Gebets

1. Die heilige Messe

Die Eucharistie ist das erste und kostbarste Geschenk für die Verstorbenen, denn sie ist nicht nur unsere Bitte, sondern das Opfer Christi selbst (KKK 1371). Man kann eine einzelne Messe bestellen, eine Novene für Verstorbene oder – für eine einzige Person – dreißig Gregorianische Messen. Alles, was man vor der Bestellung wissen sollte, haben wir im Leitfaden Heilige Messe für Verstorbene zusammengestellt.

2. „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“

Das ist das bekannteste Gebet für die Verstorbenen, gesprochen am Grab, nach dem Rosenkranz, nach dem Tischgebet und bei jedem Gedenken an einen Verstorbenen:

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe,
und das ewige Licht leuchte ihnen.
Lass sie ruhen in Frieden.
Amen.

Für eine einzelne Person beten wir: „Herr, gib ihm (ihr) die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihm (ihr). Lass ihn (sie) ruhen in Frieden. Amen.“ Diese Worte stammen aus der lateinischen Liturgie für die Verstorbenen (Requiem aeternam dona eis, Domine).

Zur Tradition der Kirche gehört auch Psalm 130 (129) „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ – das Gebet eines Menschen, der darauf vertraut, dass beim Herrn die Huld ist und bei ihm Erlösung in Fülle. Er wird in der Liturgie für die Verstorbenen gebetet.

3. Der Rosenkranz und der Barmherzigkeitsrosenkranz

Den Rosenkranz kann man ganz oder gesätzweise für einen Verstorbenen aufopfern und nach jedem Gesätz „Herr, gib ihm die ewige Ruhe“ anfügen. Diesem Gebet besonders nahe sind die schmerzhaften Geheimnisse, die durch das Leiden und Sterben Jesu führen, und die glorreichen Geheimnisse, die von der Auferstehung sprechen.

Viele Gläubige beten für die Verstorbenen auch den Barmherzigkeitsrosenkranz, der mit der Verehrung der Göttlichen Barmherzigkeit verbunden ist, wie sie die heilige Faustyna Kowalska verbreitet hat. Mit seinen Worten („Um seines schmerzhaften Leidens willen hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt“) empfehlen wir Gott alle – Lebende und Verstorbene.

4. Ablässe

Der Ablass ist der Nachlass zeitlicher Strafe vor Gott für Sünden, deren Schuld schon getilgt ist (KKK 1471). Weil die Verstorbenen, die die Läuterung durchlaufen, Glieder derselben Gemeinschaft der Heiligen sind, können wir ihnen helfen, indem wir für sie Ablässe gewinnen (KKK 1479). Einen Ablass kann man sich selbst oder den Verstorbenen zuwenden, nicht aber einem anderen Lebenden. Am bekanntesten ist der vollkommene Ablass für die Verstorbenen in den ersten Novembertagen – die Bedingungen beschreiben wir auf der Seite Ablass für Verstorbene vom 1. bis 8. November.

5. Totengedenken

In Polen und Belarus ist das Verlesen der Namen der Verstorbenen in der Kirche, verbunden mit dem gemeinsamen Gebet für sie, eine lebendige Tradition („Wypominki“). Es kann einmalig sein (meist im November) oder jährlich, wenn die Namen das ganze Jahr hindurch verlesen werden. Für die Anmeldung genügt eine kurze Liste mit den Namen der Verstorbenen.

6. Almosen, Fasten und aufgeopfertes Leiden

Der Katechismus nennt Almosen und Bußwerke unter den Wegen, den Verstorbenen zu helfen (KKK 1032). Man kann also für einen Verstorbenen eine konkrete Hilfe für Bedürftige aufopfern, einen Fasttag, die Mühe der Pflege eines Kranken oder ein Leiden, das sich nicht vermeiden lässt. Solche „stillen“ Opfer sind oft der persönlichste Ausdruck des Gedenkens.

Das Gebet für die Armen Seelen

Neben dem Gebet für die eigenen Angehörigen ermutigt die Kirche, aller Verstorbenen zu gedenken, die die Läuterung durchlaufen – traditionell nennen wir sie die Armen Seelen im Fegefeuer. Allerseelen (2. November) ist der liturgische Gedenktag aller verstorbenen Gläubigen. Für die Armen Seelen kann man jede der oben beschriebenen Formen aufopfern: die heilige Messe, den Rosenkranz, einen Ablass oder ein Almosen. Besondere Formeln braucht es dafür nicht – es genügt ein „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“, gebetet im Gedanken an alle Verstorbenen, besonders an jene, für die niemand betet.

Wie man für einen bestimmten Menschen betet

  • Nennen Sie ihn beim Namen. Gott kennt jeden, doch den Verstorbenen beim Namen zu nennen, hilft uns, mit dem Herzen zu beten und nicht nur eine Formel zu sprechen.
  • Verbinden Sie das Gebet mit der Erinnerung. Danken Sie für das Gute, das Sie durch diesen Menschen empfangen haben; bitten Sie um Vergebung für das, was schwer war – auch in Ihrer Beziehung. Das Gebet für einen Verstorbenen kann ein Weg der Versöhnung sein.
  • Wählen Sie einen festen Rhythmus. Ein kurzes Gebet jeden Abend, ein Rosenkranz an jedem Jahrestag, eine Messe am Namenstag – Regelmäßigkeit bewahrt die Erinnerung davor, zu verblassen.
  • Beschränken Sie sich nicht auf den November. Allerseelen ist wichtig, aber die Verstorbenen brauchen unser Gedenken das ganze Jahr.
  • Denken Sie an jene, für die niemand betet. Zur persönlichen Intention kann man alle vergessenen und einsamen Verstorbenen hinzunehmen.
  • Suchen Sie keine Zeichen. Die Kirche ermutigt zum Vertrauen, nicht zum Grübeln, ob der Verstorbene „schon im Himmel ist“. Wir beten, solange wir lieben – Benedikt XVI. erinnerte daran, dass ein solches Gebet nie vergeblich ist (Spe salvi 48).

Gebet und Messe – gemeinsam

Das persönliche Gebet und die bestellte Messe stehen nicht in Konkurrenz zueinander. Die Messe ist das Herz des Gebets der Kirche für die Verstorbenen, und unser tägliches Gedenken verlängert es zu Hause und am Grab. Wenn Sie eine Messe für einen lieben Verstorbenen bestellen möchten, sehen Sie sich die Übersicht der Messintentionen an, die wir annehmen, oder bestellen Sie gleich Gregorianische Messen. Die Messen feiern wir in der Pfarrei der Gottesmutter von Białynicze, und die Bestätigung mit Daten und Uhrzeiten senden wir per E-Mail.

Quellen

  • Zweites Buch der Makkabäer 12,38–46.
  • Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 958 (Gemeinschaft mit den Verstorbenen): vatican.va
  • Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1030–1032: vatican.va
  • Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1471–1479 (Ablässe): vatican.va
  • Paul VI., Apostolische Konstitution Indulgentiarum doctrina (1967): vatican.va

Fragen und Antworten

Können die Verstorbenen für uns beten?

Der Katechismus sagt, dass unser Gebet für die Verstorbenen ihre Fürbitte für uns wirksam machen kann (KKK 958). Die Verbundenheit in der Gemeinschaft der Heiligen wirkt also in beide Richtungen. Das bedeutet aber nicht, dass Verstorbene die Lebenden „besuchen“ oder ihnen Botschaften übermitteln – das lehrt die Kirche nicht.

Wie lange soll man für einen Verstorbenen beten?

Die Kirche setzt keine Grenze. Wir wissen nicht, wie Gott die Läuterung „misst“, deshalb darf und soll man ein Leben lang für die Verstorbenen beten – auch für Großeltern und Urgroßeltern, die wir nicht gekannt haben.

Darf ich für einen Verstorbenen beten, der nicht gläubig war?

Ja. Das Gebet vertraut einen Menschen der Barmherzigkeit Gottes an, und Gott kennt das Gewissen jedes Menschen besser als wir. Die Kirche empfiehlt Gott im Eucharistischen Hochgebet auch alle Verstorbenen, deren Glauben niemand kennt als er (IV. Hochgebet).

Die ehemalige Karmelitenkirche in Białynicze, Zeichnung von Napoleon Orda
Napoleon Orda, Białynicze (1877), gemeinfrei · Wikimedia Commons

Das Heiligtum der Gottesmutter von Białynicze

Jahrhundertelang war Białynicze am Fluss Druć eines der bedeutendsten Marienheiligtümer der alten polnisch-litauischen Adelsrepublik – man nannte es das „Tschenstochau Weißrusslands“. Die Karmelitenkirche mit dem Gnadenbild der Gottesmutter, gekrönt 1761, wurde in sowjetischer Zeit zerstört.

Heute baut die Pfarrei das Heiligtum wieder auf, und jede hier bestellte Messe unterstützt dieses Werk.

Geschichte des Heiligtums →

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