Das Fegefeuer in der Lehre der katholischen Kirche
Das Fegefeuer ist nach der Lehre der Kirche die abschließende Läuterung derer, die in der Freundschaft mit Gott gestorben und ihres Heiles bereits sicher sind. Anhand des Katechismus (KKK 1030–1032) und der Dokumente des Lehramts erklären wir, was das Fegefeuer ist, was es nicht ist und wie wir den Armen Seelen helfen können.

Was ist das Fegefeuer? Die Definition des Katechismus
Der Katechismus der Katholischen Kirche widmet dem Fegefeuer drei kurze Nummern (KKK 1030–1032). Die erste sagt, wen die Läuterung betrifft:
„Wer in der Gnade und Freundschaft Gottes stirbt, aber noch nicht vollkommen geläutert ist, ist zwar seines ewigen Heiles sicher, macht aber nach dem Tod eine Läuterung durch, um die Heiligkeit zu erlangen, die notwendig ist, in die Freude des Himmels eingehen zu können“ (KKK 1030).
Die zweite gibt ihr einen Namen: „Die Kirche nennt diese abschließende Läuterung der Auserwählten, die von der Bestrafung der Verdammten völlig verschieden ist, Purgatorium [Fegefeuer]“ (KKK 1031). Die dritte zeigt, worauf diese Lehre beruht – auf der Praxis des Gebets für die Verstorbenen – und wie wir den Verstorbenen helfen können (KKK 1032).
Aus diesen Sätzen ergeben sich drei Dinge. Das Fegefeuer betrifft die Geretteten, nicht die Verdammten. Es ist eine Läuterung, keine Rache Gottes. Und es ist abschließend – es vollendet einen Weg, der auf Erden begonnen hat. Der Katechismus erklärt, dass die Sünde, selbst wenn sie vergeben ist, im Menschen eine ungeordnete Anhänglichkeit an die Geschöpfe zurücklässt, die der Läuterung bedarf; diese „zeitliche Strafe“ ist nicht als Rache zu verstehen, die Gott von außen verhängt, sondern als etwas, das aus dem Wesen der Sünde selbst folgt (KKK 1472).
Woher die Kirche diese Lehre schöpft
Die Heilige Schrift. Der Katechismus verweist auf 2 Makk 12,46: Judas der Makkabäer „ließ die Toten entsühnen, damit sie von der Sünde befreit werden“. Die Überlieferung sieht einen Hinweis auf das läuternde Feuer in 1 Kor 3,15 und 1 Petr 1,7 (KKK 1031). Der Katechismus zitiert auch den heiligen Gregor den Großen, der aus Mt 12,32 folgerte, dass manche Verfehlungen erst in der kommenden Welt vergeben werden können – derselbe Papst, auf dessen Namen die Bezeichnung Gregorianische Messen zurückgeht.
Die Praxis der Kirche. Seit den ersten Jahrhunderten haben die Christen für die Verstorbenen gebetet und für sie die Eucharistie dargebracht (KKK 1032). Wir würden nicht für die Verstorbenen beten, wenn es keinen Zustand gäbe, in dem ihnen unser Gebet helfen kann. Über diese Praxis schreiben wir ausführlicher im Beitrag Gebet für die Verstorbenen.
Die Konzilien. Der Katechismus gibt an, dass die Kirche die Lehre vom Fegefeuer vor allem auf den Konzilien von Florenz und Trient formuliert hat (KKK 1031). Das Konzil von Florenz (1439) stellte im Dekret für die Griechen fest, dass die Seelen der wahrhaft Reumütigen, die in der Liebe Gottes gestorben sind, bevor sie für ihre Sünden Genugtuung geleistet haben, nach dem Tod geläutert werden und dass ihnen die Fürbitten der lebenden Gläubigen helfen: Messopfer, Gebete, Almosen und andere Werke der Frömmigkeit. Das Konzil von Trient bestätigte im Dekret über das Fegefeuer (1563), dass es das Fegefeuer gibt und dass den dort weilenden Seelen die Fürbitten der Gläubigen helfen, vor allem das Opfer des Altares. Dasselbe Dekret wies die Bischöfe an, in der Predigt vor dem Volk schwierige und spitzfindige Fragen, die nicht der Erbauung dienen, beiseitezulassen und alles fernzuhalten, was nach Neugier oder Aberglauben klingt.
Was das Fegefeuer nicht ist
- Es ist keine „zweite Chance“. Der Tod beendet die Zeit, in der der Mensch die Gnade Gottes annimmt oder ablehnt (KKK 1021). Der heilige Johannes Paul II. sagte, der Zustand der Läuterung sei keine Verlängerung der irdischen Situation, als würde jemandem nach dem Tod eine weitere Möglichkeit gegeben, sein Schicksal zu ändern (Generalaudienz vom 4. August 1999). Ins Fegefeuer kommt nicht, wer Gott abgelehnt hat – es durchlaufen diejenigen, die bereits gerettet sind.
- Es ist keine „mildere Hölle“. Der Katechismus betont, dass es „von der Bestrafung der Verdammten völlig verschieden“ ist. Die Seelen im Fegefeuer sind bereits in der Liebe Gottes und haben die Gewissheit des Himmels.
- Es ist kein Ort im geografischen Sinn. Johannes Paul II. erklärte in derselben Katechese, dass das Wort „Fegefeuer“ keinen Ort bezeichnet, sondern einen Daseinszustand.
- Es lässt sich nicht mit der Uhr messen. Benedikt XVI. schrieb, dass wir die „Dauer“ dieser läuternden Begegnung mit Christus nicht mit den Zeitmaßen unserer Welt messen können (Spe salvi 47). Deshalb lehrt die Kirche nicht, wie lange das Fegefeuer „dauert“, und rechnet Gebete nicht in Tage um.
Wer sind die Armen Seelen?
Die Armen Seelen im Fegefeuer sind Verstorbene, die diese abschließende Läuterung durchlaufen. Sie gehören zu derselben Gemeinschaft der Kirche wie wir – zur Gemeinschaft der Heiligen, die die Gläubigen auf Erden, die Verstorbenen im Zustand der Läuterung und die Heiligen im Himmel verbindet (KKK 954–959). Die Überlieferung nennt sie die „leidende Kirche“, doch es ist kein Leiden ohne Hoffnung: Benedikt XVI. beschreibt es als seligen Schmerz, in dem die heilige Macht der Liebe Christi uns wie eine Flamme durchdringt (Spe salvi 47).
Um das Fegefeuer haben sich viele Erzählungen gerankt – über erscheinende Seelen, eine bestimmte Zahl von Jahren oder „Preislisten“ für Gebete. Die Kirche bindet ihre Lehre an keine davon. Selbst von der Kirche anerkannte Privatoffenbarungen gehören nicht zum Glaubensgut (KKK 67). Auf dieser Seite stützen wir uns ausschließlich auf die Heilige Schrift, den Katechismus und Dokumente des Lehramts.
Wie wir den Armen Seelen helfen können
KKK 1032 nennt ausdrücklich das Gebet, vor allem das eucharistische Opfer, außerdem Almosen, Ablässe und Bußwerke. Benedikt XVI. fügt hinzu, dass unser Gebet für einen Verstorbenen zu einer kleinen Etappe seiner Läuterung werden kann (Spe salvi 48).
- Die heilige Messe – eine einzelne, eine Novene oder dreißig Gregorianische Messen für eine Person; ein praktischer Leitfaden: Heilige Messe für Verstorbene.
- Ablässe – besonders der vollkommene Ablass für die Verstorbenen vom 1. bis 8. November; siehe Bedingungen für den Ablass.
- Persönliches Gebet und Totengedenken – „Herr, gib ihnen die ewige Ruhe“, der Rosenkranz, das jährliche Totengedenken.
- Almosen und gute Werke, aufgeopfert für den Verstorbenen.
Wenn Sie Messen für einen Verstorbenen darbringen lassen möchten, können Sie in der Pfarrei der Gottesmutter von Białynicze Gregorianische Messen bestellen oder eine andere Intention anmelden.
Quellen
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1030–1032 (die abschließende Läuterung – das Purgatorium): vatican.va
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1021–1022 (das besondere Gericht): vatican.va
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1471–1479 (Ablässe, zeitliche Sündenstrafen): vatican.va
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 954–959 (Gemeinschaft der Heiligen): vatican.va
- Benedikt XVI., Enzyklika Spe salvi, Nr. 45–48: vatican.va (polnisch)
- Johannes Paul II., Generalaudienz vom 4.8.1999 (über das Fegefeuer): vatican.va
- Konzil von Florenz, Dekret für die Griechen (1439), DH 1304; Konzil von Trient, Dekret über das Fegefeuer (1563), DH 1820 – nach den Anmerkungen zu KKK 1031.
Fragen und Antworten
Kann man Gregorianische Messen für alle Armen Seelen bestellen?
Nein. Gregorianische Messen werden ausschließlich für einen einzigen, bestimmten Verstorbenen gefeiert. Für alle Armen Seelen kann man dagegen eine einzelne Messe oder eine Novene bestellen, zum Beispiel in der Intention „für die Armen Seelen im Fegefeuer“.
Woher soll ich wissen, ob mein Angehöriger im Fegefeuer ist?
Das können wir nicht wissen. Die Kirche spricht manche Verstorbene heilig, erklärt aber von niemandem, dass er im Fegefeuer sei. Deshalb beten wir für jeden Verstorbenen voll Vertrauen, ohne entscheiden zu wollen, in welchem Zustand er sich befindet – dieses Urteil steht Gott zu.
Ist die Lehre vom Fegefeuer ein Dogma?
Ja. Dass es eine Läuterung nach dem Tod gibt und dass die Gebete der Lebenden den Verstorbenen helfen, gehört zur Glaubenslehre, die die Kirche auf den Konzilien von Florenz und Trient formuliert hat (KKK 1031). Wie diese Läuterung geschieht, bleibt ein Geheimnis, und die Kirche beschreibt es nicht im Einzelnen.
Das Heiligtum der Gottesmutter von Białynicze
Jahrhundertelang war Białynicze am Fluss Druć eines der bedeutendsten Marienheiligtümer der alten polnisch-litauischen Adelsrepublik – man nannte es das „Tschenstochau Weißrusslands“. Die Karmelitenkirche mit dem Gnadenbild der Gottesmutter, gekrönt 1761, wurde in sowjetischer Zeit zerstört.
Heute baut die Pfarrei das Heiligtum wieder auf, und jede hier bestellte Messe unterstützt dieses Werk.
Geschichte des Heiligtums →Heilige Messe bestellen
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